Verabschiedungsgottesdienst in Burtenbach

Abschiedsrede von Werner Heichel am 29.08.2020

Sehr geehrter Herr Pfarrer Riemer, lieber Pater Christoph Maria, sehr geehrter Herr Bürgermeister Kempfle, liebe Mitchristen aber vor allem

lieber Pfarrer Cavar und lieber Pfarrer Lozic,

Kommen und Gehen, es bestimmt unser Leben. Viele von Ihnen, meine Damen und Herren, und ganz sicher Sie, lieber Herr Pfarrer Cavar, haben in den vergangenen Tagen an den Tag gedacht, an dem Sie, mit vielen Erwartungen bedacht, in unsere Pfarrgemeinden kamen; 31 Jahre ist das nun her, Jahre, in denen Sie hier viel bewirkten und Ihren Schäfchen stets mit Rat und Tat zur Seite standen. Der Kapitän verlässt seine Schiffe, „ein Lotse geht von Bord“ , in einem katholischen Alter, wo man doch noch Bischof oder gar Papst werden kann, aber vor allem wo auch wir von St. Franziskus unseren beliebten Pfarrer gerne noch einige Jahre bei uns gesehen hätten.

Heute ist also der Tag des Abschieds gekommen, des Abschieds von einem Amt, das Sie lange ausgefüllt hat. Sie gehen nun zusammen mit Pfarrer Lozic in den wohlverdienten Ruhestand. Damit ist heute auch der Tag gekommen, Ihnen beiden nochmals zu danken. Für ihr Wirken im Dienst unserer Pfarrgemeinde und die Anstöße, die Sie gegeben haben, für die gute Zusammenarbeit und das offene Ohr, das Sie stets für alle hatten.

Viele Dankesworte wurden in den vergangenen Tagen an Sie gerichtet. Auch ich darf mich im Namen des PGR und der KV ganz herzlich aber auch wehmütig bei Ihnen für alle guten Taten und eindrucksvollen Spuren, die Sie geleistet und hinterlassen haben, bedanken. Ein Pfarrer muss sich heute auf vielen Ebenen bewegen. Bei der Fülle seiner Aufgaben wird auch ein hohes Maß von Fähigkeiten von ihm erwartet. Neben der Seelsorge sind das Qualitäten als Manager, Kommunikator und gar als Werbeträger in Sachen Kirche und Religion. Sie standen als Bauherr, wie auch als Verwaltungsfachmann, ja Finanzmanager ihren Mann aber vor allem waren Sie ein volksnaher, beliebter Priester, der stets darauf bedacht war, dass sich seine Pfarrgemeinden dem Geist der Zeit öffnen.

Alles, was Menschen nur bewegt und bedrängt, kommt in der Seelsorge zur Sprache. Die Menschen suchen Rat und Trost bei Ihrem Pfarrer sie wenden sich an ihn, in allen Lebenslagen. Dazu gehören die schönen Momente, wenn sich alles gut fügt, dazu gehören ab er auch die schwierigen Situationen, wenn   Sorgen und Nöte, wenn Trauer und Verzweiflung das Leben bestimmen.

Rockmessen und Faschingsgottesdienste waren anfangs hierzulande für manche Menschen nicht nur neu, sondern geradezu provokativ. Sie führten Kindergottesdienste ein, aber auch die ersten Ministrantinnen bei uns in der Franziskuskirche und zugleich in der Diözese. Jugend- und Familiengottesdienste sowie die jährlichen Taufeltern- und Ehejubilar-Gottesdienste sind heute kaum mehr wegzudenken. Darüber hinaus lag es ihnen am Herzen, ihre Kirchen für so manchen kulturellen Leckerbissen zu öffnen und dort erlesene Konzerte zur Aufführung kommen zu lassen. In ewiger Erinnerung wird auch die erste Primiz in unserer Pfarrgemeinde wie auch in der Marktgemeinde mit erster Eintragung ins Goldene Buch bleiben. Da Pater Christoph Maria gerade auf Heimaturlaub ist, habe ich ihn kurzfristig eingeladen. Er sagte sofort zu und freut sich beim Abschiedsdankgottesdienst heute dabei sein zu dürfen.   

Alle guten Taten hier zu beschreiben würde den Rahmen sprengen und Vieles ist im Stillen geschehen, von dem wir gar nichts wissen. Beispielhaft erinnere ich mich noch an ihre Installationsfeier 1989, als ich in meinen Begrüßungsworten die Hoffnung aussprach das angefangene Projekt „Die Anschaffung einer neuen Orgel“ mit unserem neuen Pfarrer zu verwirklichen. Der PGR-Vors. aus Niederstotzingen meinte dazu aber gleich, nicht nur dieses Ziel sondern noch viele weitere Bausteine werden man mit diesem Pfarrer schneller erreichen als wir es uns träumen lassen können. Und so war es dann bereits zum Franziskusfest 1992 wurde die neue Orgel geweiht, zwei Jahre später erfolgten die Flachdachsanierung am Pfarrheim sowie die Anschaffung dreier Glocken für die Kirche. In der Folgezeit kam es zur kompletten Dach- und Fassadensanierung mit Außenanlagen und der Einrichtung der St. Franziskuskirche mit Taufstein, Franziskuskreuz und dem Altarraum bis aktuell aufgrund nicht mehr zeitgemäßer Nutzung, zum Verkauf einer Teilfläche des Kirchengrundstückes als Bauplätze an die Marktgemeinde.

In den vergangenen 31 Jahren haben sie unsere Mitbürger/Innen sozusagen durch ihr Leben mit begleitet. Sie haben Kinder getauft und junge Menschen zu Kommunion, ja sogar zur ersten Firmung vor zwei Wochen hier bei uns geführt. Sie haben Ehen geschlossen und Verstorbene zur letzten Ruhestätte geleitet. Und sie waren der Ansprechpartner für Glaubensfragen, Fragen nach dem Sinn des Lebens, nach der Schöpfung, nach ethischen Normen, Fragen die heute wieder oft gestellt werden. Die Menschen fragen danach, was unsere Welt, was unsere Gesellschaft im Innersten zusammenhält; sie fragen danach, wie sie ein sinnvolles, ein erfülltes Leben führen können.

Wie Franziskus versuchten Sie die Menschen für Gott zu begeistern. Und Sie verstehen es, die spirituellen Gedanken mit dem Alltag der Menschen zu verknüpfen. Es wirkt echt und überzeugend, ihre Worte und Predigten schenken Kraft und Gottvertrauen. Ihre Beliebtheit bei den Gläubigen, liegt sicherlich auch daran, dass Sie ein Priester sind, der immer auf sein Herz im Interesse seiner Schäfchen hört und mit einfühlsamen, persönlichen Worten und Gedanken die Herzen der Menschen erreicht. Wie der Heilige Franziskus sind Sie unbeirrbar, klar und gradlinig ihren Weg gegangen und haben am Beispiel von Franziskus immer auch eine Brücke in unsere Zeit geschlagen, weil sich viele junge Menschen von heute gar nicht so sehr vom jungen Franziskus unterscheiden würden. Mit ihrer persönlichen Beziehung, einfühlsamen Worten und Gedanken verschönerten sie jeden Gottesdienst und jedes Fest.

Lieber Pfarrer Cavar, ich habe einmal zu Ihnen gesagt, mit uns in Burtenbach haben Sie die geringsten Probleme. Worauf Sie antworteten, dies sei ja gerade das Problem. Nun ich hoffe wir konnten Sie in Ihrem Wirken unterstützen. Wir sind jedenfalls dankbar und stolz auf das mit Ihnen gemeinsam Erreichte. Die vielen Mühen, das ständige Hoffen, Warten und Erwarten hat sich gelohnt. Wir sind stolz auf unsere schlichte, sakrale Kirche, die wie ein Zelt wirkt und alle einlädt sich im Glauben – Liebe – Hoffnung zu stärken und den Geist von Gott und auch Franziskus zu spüren.

Lieber Pfarrer Cavar, ein herzlichen Vergelts`s Gott für alles!

Auch von ihnen Pfarrer Lozic müssen wir nun leider nach 14 Jahren Abschied nehmen. Wie ein Missionar sind sie über viele Jahre Wanderschaft über Bosnien, England, Schottland und Australien schließlich 2006 nach Kemnat gekommen und nunmehr bereits 45 Jahre im Dienste Gottes. Geleitet von ihrem Primiz-Spruch „Durch die Gnade Gottes bin ich geworden, was ich bin“ unterstützen bzw. vertreten sie in unserer Pfarreiengemeinschaft Pfarrer Mirko Cavar nicht nur sondern treten auch gern im Doppelpack mit ihm auf. Wir von St. Franziskus haben sie ebenfalls ins Herz geschlossen und bedanken uns ganz herzlich für ihre Treue, Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit. Wir lernten sie aber auch als einen lustigen und geselligen Menschen kennen, der auch die eine oder andere scherzhafte Bemerkung seines Chefs lustig auffasste. Auf mich persönlich wirkten sie zudem wie ein Gentleman, sympathisch, freundlich und immer gut gekleidet. An einem Kircha-Ratsch Abend teilten wir uns nicht nur das letzte Getränk sondern unterhielten uns überwiegend englisch miteinander, was sehr lustig war. Ein Zeichen ihrer Beliebtheit setzten ihnen die Kinder vom Kindergarten Kemnat anlässlich ihres 70. Geburtstages indem sie sie symbolisch auf den Stuhl der legendären Königin Sabah setzten und eine gefüllte Schatztruhe mit Geschenken überreichten sowie die Glückwünsche in Form eines Ständchens überbrachten.

Lieber Herr Pfarrer Lozic, auch Ihnen herzlichen Danke für alles!  

Jetzt streben Sie neue Ziele an, jetzt können Sie das Leben etwas geruhsamer angehen.

Nutzen Sie nun die Zeit indem sie sich beide wie Franziskus eventuell in eine Höhle bzw. ihrem neuen Wohnheim in Jettingen oder Kroatien zurückziehen um alles Revue passieren zu lassen, um einmal inne halten zu können, um über den bereits gegangenen Weg nachzudenken. Wie weit sind sie auf ihrer bisherigen Entdeckungsreise gekommen – was liegt noch vor Ihnen? Sie befinden sich wieder einmal auf einem Etappenpunkt, der es notwendig macht, die eigene Position zu bestimmen. Einiges wird sich von nun an für sie ändern. Im Beruf fanden sie Berufung. Mit dem Eintritt in den Ruhestand ist nur eine weitere Etappe auf ihrer Reise getan. Finden Sie nun ihre Berufung im neuen Lebensabschnitt.

Entdecken Sie in sich, wozu Sie Lust haben.

Leben kann man nur vorwärts – geben Sie ihm die richtige Richtung.

Von Seneca, dem Weisen, stammt der Satz:

Es ist nicht zu wenig Zeit, was wir haben, sondern es ist zu viel, was wir nicht nutzen.“

Und so wünsche ich Ihnen eine sinnvoll genutzte Zeit und vor allen Dingen eine gesunde Zeit. Und da Sie bestimmt noch einiges in petto haben, von dem wir nichts wissen, wünsche ich Ihnen die Kraft und das notwendige Glück, auch diese heimlichen Ziele, diese verborgenen Lebensträume mit Gottes Hilfe zu verwirklichen. Ich wünsche Ihnen eine gute und gesunde Reise sowie Gottes Segen!

Nachdem Sie nun auch die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Münsterhausen verliehen bekommen haben und in Jettingen wohnen werden wir uns sicherlich immer wieder mal begegnen. Wir von St. Franziskus freuen uns auf ihren Besuch und laden Sie schon heute zu dem einen oder anderen Fest herzlich ein. Vielleicht klappt es auch, dass wir sie Pfarrer Cavar und Pfarrer Lozic in Kroatien besuchen. Wir nehmen es uns fest vor. 

 

Als Erinnerung an uns und St. Franziskus sowie die schönen Begegnungen in unserer Pfarreiengemeinschaft habe ich ihnen ein Fotobuch zusammengestellt und darf es im Namen des PGR und KV von der St. Franziskus-Pfarrgemeinde mit der Bitte überreichen, immer mal wieder in Erinnerung darin zu blättern und an uns zu denken.

Herzlichen Dank und alles Gute